Rentnerbetrüger
Unverschämte Konsumgeneration

„Außerordentliche Erhöhung der Renten.“, „die Älteren haben einen kurzen Zeithorizont und wollen in Eile Kasse machen“, „Rentner-Demokratie, in der die Alten die Jungen beherrschen und ausplündern“, „Untragbare Last von nutzlosen Alten“, etc., etc. Sobald ein Rentner diese verwirrenden und beleidigenden Sprüche in den Medien liest oder hört sollte er sich zum Friedhof begeben, einen Platz suchen und im voraus bezahlen, sonst kommt bald die Zeit, da wird er von den jungen Konsumgierigen (wie der Leichnam von Wolfgang A. Mozart) in ein Sammelgrab abgeworfen. Dabei werden die Renten ab dem 1.07.008 nur um 1,1 % erhöht. Nach drei Jahren Erhöhungsabstinenz wurden die Renten voriges Jahr nur um 0,5 % angehoben. Also, in 5 Jahren werden die Renten nominal nur um weniger als 2% steigen. Real sieht das Bild ganz anders aus. In diesen letzten 5 Jahren sind die Preise auf Waren des ersten Bedarfs um mindestens 10% gestiegen und die Renten entsprechend um etwa 8 % real gesunken. Würden die Renten mindestens um 8% angehoben werden, könnte man nur von Rentenanpassung sprechen. Deshalb ist die Erhöhung um 1,1% nicht anders zu bewerten als Betrug und Augenwischerei.

Es sieht danach aus, dass der Konsumrausch alle uralten Weisheiten über Ehrfurcht und Respekt gegenüber Eltern und alten Menschen verdrängt hat und durch eine hedonistische, egozentrische Jagd nach reizenden und vielfältigen Konsumgütern, auf den auch die Rentner ihren Anspruch berechtigt erheben, obwohl sie direkt an ihrer Schaffung nicht beteiligt sind, ersetzt wurden. Das empfinden manche Grünschnäbel, die erst vor kurzem an der Erzeugung von Konsumgütern teilnehmen, als ungerecht und unzulässig. (Sie werden sogar von demenzverdächtigen Älteren unterstützt) Es wird einfach außer Acht gelassen, dass sich ihre Eltern sehr oft über zwei Jahrzehnte liebe- und mühevoll engagierten um ihren Sprösslingen die Fähigkeiten und Erkenntnisse beizubringen um die ganze, ihnen von den Älteren gratis überlassene Produktion von Gütern, mit Erfolg zum Nutzen für alle, sowohl für Jung und Alt, weiter zu betreiben und zu entwickeln.

Dennoch gibt es einen noch viel wichtigeren Aspekt in diesem sogenannten „Generationskonflikt“, nämlich: Die Güter und Dienstleistungen, die momentan die Erwerbstätigen produzieren, entstehen ausschließlich dank ihren Leistungen. Gerade dieser Gedanke ist ein tiefer Irrtum. Wenn man etwas tiefer denkt und mehr Kenntnisse als ein „Grünschnabel“ besitzt, kommt man unausweichlich zum weisen Gedanken, dass die Güter und Dienstleistungen, die momentan von den Erwerbstätigen produziert werden, nicht vollkommen auch zu deren Verdiensten gehören, wie es viele ganz naiv und oberflächig meinen. Denn es reicht nur das Verhältnis zwischen dem Energieaufwand für die Güterherstellung von erwerbstätigen Menschen und der Mutternatur in Deutschland grob auszurechnen, kommt man zu einer miserablen Zahl von 0,28 %, was bedeutet: Auf jede Kcal eines Erwerbstätigen kommen heutzutage über 350 Kcal von Mutter Natur hinzu um die ganze Menge der momentan produzierten Güter und Dienstleistungen uns zur Verfügung zu stellen. Wenn man noch die ungeheuere Menge der Rohstoffe, Wasser, Luft etc. dazu rechnet, kann man ohne weiteres behaupten: Wir werden nicht so sehr von Erwerbstätigen versorgt, sondern – von der Mutter Erde.

Das war immer so, in der ganzen Geschichte der Menschheit. Nur in früheren Zeiten brauchte man für die Produktion von Gütern eine Menge Muskelkraft und menschliche Energie wohingegen heutzutage hauptsächlich Tastedrücken ausreichen, um enorme Arbeitsproduktivität zu erreichen. Dazu haben viele Generationen beigetragen, insbesondere diejenigen, die noch am Leben sind, aber durch ihren früheren Beitrag sehr stark an momentaner Produktion der Güter indirekt oder passiv und trotzdem relevant beteiligt sind. Also, der Löwenanteil des Beitrages für die Gesamtversorgung der Bevölkerung gehört der Muter Erde, und dazu haben alle Generationen, die momentan nicht erwerbstätig oder nicht am Leben sind, beigetragen. Deshalb ist der indirekte Beitrag der älteren Generationen, deren Beitrag zur Arbeitsproduktivität in dem Güteranteil steckt, der von der durch den Menschen gezähmten und von den momentan Erwerbstätigen gelenkten Naturkräfte hauptsächlich erzeugt wird, sehr relevant. Und wenn man noch berücksichtigt, dass die momentan Erwerbstätigen von der älteren Generation die ganze Infrastruktur, Kommunikations- und Produktionsmittel gratis übernahmen, dann fällt der Anteil der indirekten Leistung für die verfügbaren Güter bestimmt zu Gunsten der Alten. Deshalb kann die Benachteiligung der älteren Menschen, sowie verdrehte Unterstellungen nicht anders beurteilt werden als eine unverschämte Gier der Konsumgeneration, die die alten bewährten Ethikwurzen abzuwerfen versucht.

Zum Schluss. Was die „Rentner-Demokratie“ betrifft, kann es sich nur um einen verwirrten und diffusen Begriff handeln, denn der Roboteranteil in der Güterproduktion wird immer größer. Experten haben schon professionell ausgerechnet, dass nur 20% der arbeitsfähigen Bevölkerung Ende des 21. Jahrhunderts reichen würde um alle notwendigen Güter für die ganze Bevölkerung zu produzieren; den Rest erledigen die Roboter. Zur Zeit hat unser Land viel wichtigere Probleme als die Gefahr einer nebulösen „Rentner-Demokratie“. In Deutschland ist der stark reformbedürftige ineffiziente Parteienstaat (Scheindemokratie) in der Realpolitik sowie den monetaristischen Fehlkonstruktionen und chaotischen Vorgängen in den Finanzen und der Wirtschaft für das heutige Problem-Wirwar bestimmend.

Außerdem sind an der Rentnerausbeutung, sinkende Löhne und Gehälter bei Arbeitnehmern sowie miserable Einkünfte bei den Hartz-IV – Empfängern sowie der gigantische Waren und Geldtransfers ins Ausland, insbesondere in die USA, signifikant beteiligt. Deutschland (besetztes Land bis 1990) ist der treueste Tributzahler bis heute. Der Handelsüberschuss Deutschlands - USA betrug im Jahre 2005 ca. 50 Mrd. $ (Der Fischer Weltalmanach 2007, S.502); die Höhe der Direktinvestitionen in den USA zeigte ebenfalls einen Überschuss von 50 Mrd. $. Also hat die deutsche Wirtschaft einen Überschuss von 50 Mrd. $ in Waren und fast genau soviel Investitionskapital geliefert. Im Endeffekt verschenkten die Deutschen den Amis nur in einem Jahr 2005 (grob geschätzt, Direktinvestitionen kaum berücksichtigt) über 50 Mrd. $. Dazu kommen zahlreiche Transferleistungen für die Unterstützung des Irak-Krieges, zweifelsvolle Erweiterungen der EU durch ehemalige Ostblockstaaten um hauptsächlich den Einfluss des US-Revier zu erweitern etc. Nicht zufällig sind die Zahlungsbilanzen mit dem Ausland fast ständig defizitär. Deswegen ist die Verarmung von Millionen Deutschen in den letzten 15 Jahren hautsächlich das Resultat der falschen Strategie der Politik, deren Wurzeln in dem mangelhaften politischen System (liberaler Parteienstaat) verborgen sind. Dafür hätte die Rückkehr zu der „relativen“ Unabhängigkeit der Volkswirtschaften, was hauptsächlich eine ausgeglichene Außenhandels- und Zahlungsbilanz mit anderen souveränen und gleichberechtigten Staaten bedeutet, die alleine verpflichtet sind, um das Wohl der eigenen Bevölkerung Sorge zu tragen, eine entscheidende Bedeutung. Dabei soll das monetaristische System in Rahmen der einzelnen Volkswirtschaften sowie globalisierten Weltwirtschaft einer gründlichen Revision unterworfen werden um seine praktische Anwendung, soviel wie nötig, zu begrenzen. Die Produktionn von Güter und Dienstleistungen für die Bevölkerung ist das Haupziel des Wirtschaftens und sie muss ihren angestammten Platz in jedem Land wieder gewinnen, damit die ungeheure Geldgier der Glücksritter auf Finanzmärkten eingedämmt wird und die Finanzen ihere Rolle als Diener des Wirtschaftens effizient spielen können.

Dafür ist eine wahre und keine Erzatzdemokratie (Parteienstaat etc.) nötig. Deshalb werden so lange die Probleme wie Generationsgerechtigkeit, Schuldenbergen, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftinstabilität, leere Staatskassen etc. uns überhäufen, bis wir mit vollem Einsatz eine wahre Demokratie (wie in der Schweiz) aufbauen - in großen Staaten das einzige politische System, das heutzutage im Stande ist die Probleme optimal zu lösen.

Nikolai Dragosch
Limburg-Weilburg-Kreis,
(D.-Mathematiker, Politologe, Buchautor.)
Homepage: www.nikolasdragosch.de
E-Mail: nikolasdragosch@t-online.de